Der Mensch im Mittelpunkt: Der Silviahemmet-Ansatz für die Versorgung von Menschen mit Demenz
ein Gastbeitrag von Frau Dr. med. Ursula Sottong MPH Msc
Demenz ist ein Thema, das in der gesundheitlichen Versorgung zunehmend an Bedeutung gewinnt. Weltweit waren 2021 nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) etwa 55,2 Millionen Menschen an einer Demenz erkrankt (WHO, 2021). In Schweden hat I.M. Königin Silvia von Schweden 1996 unter dem Eindruck der Demenz-Erkrankung ihrer Mutter die Silviahemmet Stiftung (Stiftelsen Silviahemmet) gegründet.
Ausdrückliches Ziel der Stiftung Silviahemmet ist es, Menschen zu einem qualifizierten und würdevollen Umgang mit demenziell erkrankten Menschen zu befähigen, die Forschung zu fördern und das Thema Demenz in der Öffentlichkeit zu enttabuisieren.
Die Arbeit der Stiftung Silviahemmet beruht auf dem Palliative Care Konzept, das u.a. den personenzentrierten Ansatz von Kitwood einbezieht. Wesentlicher Schwerpunkt ist der Erhalt der Lebensqualität bis zum letzten Atemzug unter Einbeziehung der Angehörigen und aller am Versorgungsprozess beteiligten Person. Im Mittelpunkt steht die Würde der Person, die an der progredient fortschreitenden, nicht heilbaren Demenz erkrankt ist. Diese Person steht an erster Stelle, lehrt die „Anderen“ und ermöglicht ihnen das Krankheitsbild zu verstehen. Ihr wird mit liebevollem Respekt begegnet, ihre Versorgung und Pflege richtet sich nach ihren Bedürfnissen, nicht nach den allgemeinen Vorstellungen vom Krankheitsbild Demenz.
Um den Palliative Care Ansatz in der Fläche Wirklichkeit werden zu lassen, hat die Silviahemmet Stiftung über die Jahre ihres Bestehens ein Aus-, Fort- und Weiterbildungskonzept entwickelt, das sich über alle am Versorgungsprozess beteiligten Zielgruppen (inkl. Angehörige, Mitarbeitende in der Hauswirtschaft, Sozialarbeiterinnen, Verwaltungsmitarbeiter, Geschäftsleute, Polizei, Seelsorger, kommunale Entscheidungsträger, Kostenträger, etc.) erstreckt.
Gemeinsam mit dem Nationalen Kompetenzzentrum Demenz (Svenskt Demenscentrum) hat Silviahemmet zudem am Karolinska Institutet/Stockholm webbasierte Postgraduierten-Masterstudiengänge für Ärzte, sowie für Ergo- und Physiotherapeuten implementiert. In Zusammenarbeit mit dem Sophiahemmet bietet Silviahemmet außerdem für examinierte Pflegekräfte eine webbasierte Master-Zusatzausbildung in Demenz an. Alle Absolventen erhalten bei erfolgreichem Abschluss aus der Hand von Königin Silvia ihr Diplom sowie eine Silvia-Brosche und den Ehrentitel Silvia-Sister, Silvia Nurse, Silvia Doctor etc.
Seit einigen Jahren zertifiziert die Silviahemmet Stiftung Einrichtungen des Gesundheits- und Sozialwesens, die Menschen mit Demenz versorgen. Dazu gehören u.a. Pflegeeinrichtungen sowie Krankenhäusern mit den verschiedenen Abteilungen. Heute sind international etwa 260 Einrichtungen zertifiziert, die meisten davon in Schweden. Die erste zertifizierte Einrichtung außerhalb Schwedens war 2012 das MalTa in Bottrop/Nordrhein-Westfalen (NRW), eine Tageseinrichtung für Menschen mit einer beginnenden Demenz mit angeschlossenem Schulungszentrum. Das weltweit erste Krankenhaus, das 2020 als Ganzes zertifiziert wurde, ist das Krankenhaus St. Carolus in Görlitz/Sachsen.
Mittlerweile sind in Deutschland weitere Krankenhäuser zertifiziert. Die Lausitz-Klinik in Forst/Brandenburg, das Johanniter Krankenhaus in Gronau/Niedersachsen, sowie das St. Josef Krankenhaus in Königstein/Hessen. Außerdem ist die Pflegeeinrichtung Papst Leo Haus in Essen /NRW durch die Stiftung zertifiziert. Weitere Einrichtungen sind in Vorbereitung.
Mehr Informationen zu Silviahemmet:
https://www.silviahemmet.se/other-languages/uber-silviahemmet/
Kontakt in Deutschland: ursula.sottong@silviahemmet.se
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